Weihnachtsgeschichten
   

Inhalt

 
   
 
 
Weihnachtsmarkt


Weihnachtsmarkt.

Welch' lustiger Wald um das graue Schloß
Hat sich zusammen gefunden,
Ein grünes bewegliches Nadelgehölz,
Von keiner Wurzel gebunden! 

Anstatt der warmen Sonne scheint
Das Rauschgold durch die Wipfel;
Hier backt man Kuchen, dort brät man Wurst,
Das Räuchlein zieht um die Gipfel.

Es ist ein fröhliches Leben im Wald,
Das Volk erfüllet die Räume;
Die nie mit Thränen ein Reis gepflanzt,
Die fällen am frohsten die Bäume.

Der Eine kauft ein bescheidnes Gewächs
Zu überreichen Geschenken,
Der Andre einen gewaltigen Strauch,
Drei Nüsse daran zu henken.

Dort feilscht um ein verkrüppeltes Reis
Ein Weib mit scharfen Waffen,
Der dünne Silberling soll zugleich
Den Baum und die Früchte verschaffen!

Mit glühender Nase schleppt der Lakai
Die schwere Tanne von hinnen,
Das Zöfchen trägt ein Leiterchen nach,
Zu ersteigen die grünen Zinnen.

Und kommt die Nacht, so singt der Wald
Und wiegt sich im Gaslichtscheine;
Bang führt die arme Mutter ihr Kind
Vorüber dem Zauberhaine.

Einst sah ich einen Weihnachtsbaum:
Im düstern Bergesbanne
Stand eisbezuckert auf dem Granit
Die alte Wettertanne.

Und zwischen den Aesten waren schön
Die Sterne aufgegangen,
Am untersten Ast sah ich entsetzt
Die alte Schmidtin hangen.

Hell schien der Mond ihr in's Gesicht.
Das festlich still verkläret;
Weil sie auf der Welt sonst nichts besaß,
Hatte sie sich selbst bescheeret.

Neuere Gedichte, 2. Auflage, Berlin 1854, S. 63 (Zyklus Aus Berlin)

 
Aus dem „Grünen Heinrich“


(Gesammelte Werke, Berlin 1889, Bd. 2, S. 354-357)

 
Aus Martin Salander

Die Stadt vom Tyrannen befreien!
Das sollst Du am Kreuze
bereuen!

dann schloß er die zweite Strophe:

Ich lasse den Freund Dir als Bürgen, Ihn magst Du, entrinn' ich, erwürgen.
Ganz heillos klang es, wie er fortfuhr:

Da lächelt der König mit arger List,

Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In Eurem Bund
e der dritte.¨

(Gesammelte Werke, Berlin 1889, Bd. 8, S. 19-22)

 

 



20.9.2004 / W. Morgenthaler