Der grüne Heinrich
   

Materialien

Besonderes

   
 
Materialien

 
Personen


 

Männer

Frauen

Nebenpersonen

Gegenfiguren

Jugendgeschichte

 

 

 

 

Stadt

Vater ( Lee)

Mutter

   

 

 

Frau Margret + Vater Jakoblein (Trödler)

 

Meretlein

 

Habersaat

 

Meierlein

 
 

Römer (Maler)

 

Brieffreund

 

Land

Oheim + Familie

Judith

 

 

 

Schulmeister

Anna

 

Schlangenfresser (2. F.)

 

 

Großmutter

 

Albertus Zwiehan (2. F.)

Hauptteil

Erikson + Rosalie

 

 

 

Lys (Ferdinand)

Agnes

Reinhold (Gottesmacher)

 
 

Professor (Anthropologie)

Hulda (2. F.)

Schmalhöfer (Trödler)

 

 

 

(Mutter)

Landsmann

 

 

Graf

Dortchen Schönfund

Kaplan

Peter Gilgus (2. F.)

Schluß

 

Judith (2. F.)

Nachbarn

 

 

 
Inhaltsangabe

Roman in vier Bänden, neben Martin Salander Kellers einziger Roman.

1. Fassung, entstanden 1849-1855 in Heidelberg und Berlin, publiziert 1854/55 im Vieweg-Verlag, Braunschweig

2. Fassung, erschienen 1879/80 im Göschen Verlag, Stuttgart

(1. Teil: Jugendgeschichte)

(2. Teil)


Diese Zusammenfassung ist dem Lexikon der Weltliteratur, hrsg. von Gero von Wilpert, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997, Bd. 3, S. 511f. entnommen.

 

 
Besonderes

 
Äußerungen Kellers zur neuen Fassung

Zwei Dinge waren vor allem Gegenstand der Kritik an der ersten Fassung des Romans:

Beides versuchte Keller 25 Jahre danach in der vollständig überarbeiteten zweiten Fassung zu ändern:

Da mein ärmster grüner Heinrich fortwährend in literarhistorischen und theoretischen Büchern als Exempel eines Romanes aufgeführt wird, wie er nicht sein soll, so drängt es mich endlich doch, eine umgearbeitete neue Auflage etwas zu beschleunigen, um jenen Philistern zu zeigen, mit wie wenig Zügen man ein gutes Buch draus machen kann. Ich nehme daher die Sache, die ich seit letztem Frühjahr habe liegen lassen, wieder auf.

(Keller an den Verleger Ferdinand Weibert, 14.12.1876)
 

Sie sehen, daß ich mir nicht mit einer Postkarte behelfe, um Ihnen für Ihren freundlichen Brief zu danken. Wenn ich von Ihrer Ueberschätzung des Grünen Heinrich alle billigen Abzüge mache, so bleibt doch genug für eine erfreuliche Ueberraschung übrig, welcher man doch zugänglich ist, wenn sie von berufener Seite zu kommen scheint, was man natürlich sofort constatirt.

Ihre Bemerkungen wegen der Zukunft des fraglichen Buches treffen zur rechten Zeit ein. Dasselbe ist vergriffen u soll in anderem Verlage neu erscheinen. Es wird dabei ungefähr um einen Band eingehen resp. um 1/4 mindestens kürzer werden durch Streichung der Reflexionen und unrepräsentabeln Velleitäten.

Die Oekomonie oder vielmehr Unökonomie belangend, so werde ich das, was nach der autobiographischen Jugendgeschichte in dritter Person weiter erzählt wird, ebenfalls der Autobiographie einverleiben mit den nöthigen Andeutungen und das Ganze als Manuskript in einer kurzen Einleitung auffinden lassen, welche den Tod des Helden als älteren Mannes erzählt, der irgendwo in der Stille stirbt und eben jenes Manuskript hinterläßt. So wird der unvermittelte jetzige Schluß vermieden. Verheirathen und behaglich werden lassen kann ich den Aermsten jetzt nicht mehr; es würde das einen komischen Effekt machen und vielleicht gerade bei den Freunden ein gemüthliches Gelächter hervorrufen. Wenn die Sache mit etwas Sorgfalt und hinreichender Motivirung behandelt wird, so kann eine elegische Grundlage dem sonst lebenswilligen Wesen des Buches durch den, allerdings zärter zu haltenden, Contrast nur nützen, um mich recht prosaisch auszudrücken; es ist aber nicht so gemeint.

(Keller an Julius Petersen, 4.6.1876)

Die umständliche Konstruktion mit dem hinterlassenen Manuskript ließ Keller später wieder fallen. Im Juni 1878 konnte er Theodor Storm von der nahezu endgültigen Form berichten:

Ich habe, was von dem Gedruckten, circa 2½ Bände, bleibt, jetzt durchcorrigirt und mit zahlreichen Streichungen verziert. Nun schreibe ich das, was in der dritten Person erzählt wird, um und lasse es auch von H(einrich) in erster Person erzählen bis zum Tode der Mutter; das zuletzt angeknüpfte Liebesverhältniß verunglückt auch; das Problem alles dieses Mißlingens wird klarer und ausdrücklicher motivirt als eine psychologisch-sociale Frage (aber nicht pedantisch). Heinrich lebt still und dunkel fort bei einer anspruchlosen aber geregelten Thätigkeit, ungekannt und in der Erinnerung lebend [...], alternd und durch einen Unfall der Hülfe und Pflege bedürftig. Hier tritt die Judith wieder ein, die als gemachte Person aus Amerika zurückkehrt, die den Teufel hat zähmen lernen, aber immer einsam geblieben ist. Sie erkennt den alten Heinrich an dem Lebensbuch das er geschrieben. Ihm ist sie das Beste, was er erlebt hat, nach Allem, eine einfache Naturmanifestation, und er hat ihr auch immer im Sinne gesteckt. So bildet sich noch ein kurzer Abendschein in den beiden Seelen.

Dieser Schluß notabene, vom Umfange weniger Bogen, würde nun an die Stelle des alten Einganges treten, sodaß dann die einheitliche Autobiographie ohne weiteren Abschluß folgen würde.

(Keller an Theodor Storm, 25.6.1878)

Und schließlich Kellers letzte Schlußvariante:

Verehrter Freund. Ich gebe heut endlich den Grünen auf die Post und wünsche ihm glückliche Reise und nachsichtigen Empfang. Daß die Judith am Schlusse noch jung genug auftritt, statt als Matrone, wie beabsichtigt war, hat sie Ihren derselben so gewogenen Worten zu danken. Ich wollte mich selbst nochmals am Jugendglanz dieses unschuldigen, von keiner Wirklichkeit getrübten Phantasiegebildes erlustiren. Gern hätte ich sie noch durch einige Scenen hindurch leben lassen; allein es drängte zum Ende und das Buch wäre allzu dick geworden.

(Keller an Julius Petersen, 21.10.1880)

 


Und eine typisch Kellerische Selbstbegutachtung:

Letztes Jahr war eine Frau aus München oder Stuttgart hier, die mit großem Spektakel bei mir einrückte und verkündete, sie habe ein Vierteljahr krank im Bette gelegen und endlich sich an meinem 4bändigen Grünen Heinrich gesund gelesen! Worauf sie behende weiter kugelte. Ich stand da, und war versucht, mich einen Augenblick neben Christum zu stellen, der mit einem Sälbchen von Koth den Blinden geheilt hat. Die Sache schien mir aber nicht geheuer zu sein mit meiner Wunderthätigkeit und ich ließ sie auf sich beruhen, ohne mich beim heiligen Vater um die Seligsprechung zu bewerben.

(Keller an Maria Melos, 19.7.1885)

 

 
Der „Grüne Heinrich“ bei andern Dichtern

aus: Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied. Frankfrut a. M.: Suhrkamp 1972, S. 171 f.

Auch Handkes Erzählung endet, wie Kellers zweite Romanfassung, mit einer Judith-Geschichte:

   
   

 

 
Verfilmung

Der grüne Heinrich, Spielfilm (1989/91) von Thomas Koerfer.

Für Thomas Koerfer erschien es als künstlerisches Gebot, den Film verstehbar für jedermannn zu machen, so dass hinzu zum Schauen nicht noch das Wissen um Gottfried Kellers Roman und dessen Zeit nötig wäre.

Er hat das epische Gefüge des Romans umgekrempelt in einen Stoff von höchster dramatischer Intensität.

...es ist die Montage, die, beflügelt durch die Musik, das Drama vom Grünen Heinrich in seiner Art zu einer optisch überquellenden Oper macht. Das ist ein Glück.

So ein beschönigender Kommentar von Martin Schlappner. Für mich (W. M.) ist dieser Film allerdings ein weiteres Beispiel für eine bemühte Literaturverfilmung, die den Blick aufs Original mehr verstellt als öffnet.

Ausführlichere Informationen finden sich auf der Website von Thomas Koerfer.

 



20.5.2005 / W. Morgenthaler