Literaturhinweise
   

Besonderes

Bibliographie

   
  1. Neuheiten
  2. Triumph der Antiphilologie
  3. Übersetzungen
  1. Editorisches
  2. Besprechungen zur HKKA
  3. Werkausgaben
  4. Monographien, Sammelbände u. ä.
  5. Bibliographien, Nachschlagewerke
  6. Briefpublikationen
  7. Kataloge, Bildbände
  8. Biographisches
  9. Aus dem Umfeld
  10. Aufsätze
 
Besonderes

 
1. Neuheiten

Reclam Interpretationen : Gottfried Keller. Romane und Erzählungen

Stuttgart 2007 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17533)
Hg. von Walter Morgenthaler, mit Beiträgen von Autoren aus dem Umfeld der HKKA

  • Der grüne Heinrich (1854/55). Komponierte Vielfalt. Von Karl Pestalozzi
  • Der grüne Heinrich (1879/80). Der späte Abschluß eines Frühwerks. Von Dominik Müller
  • Romeo und Julia auf dem Dorfe. Novellistische Erzählkunst des Poetischen Realismus. Von Peter Stocker
  • Kleider machen Leute. Die Kunst und das Menschliche. Von Peter Villwock
  • Das Fähnlein der sieben Aufrechten. Zur Naturgeschichte der Revolution. Von Karl Grob
  • Sieben Legenden. Der Zyklus als Werk. Von Walter Morgenthaler
  • Das Sinngedicht. Novellen. Anthropologie nach der Säkularisierung. Von Ursula Amrein
  • Martin Salander. Zwischen Experimentierfreude und Pflichtgefühl. Von Thomas Binder

 


 

   

Die Unfähigkeit, sich anders zu erinnern.
Kellers Roman „Martin Salander“ in einer neuen Buchausgabe

Als erster Band der von Peter von Matt herausgegebenen Kollektion Nagel & Kimche ist, als „Wiederentdeckung eines weltliterarischen Klassikers“, Gottfried Kellers Martin Salander erschienen:

Gottfried Keller. Martin Salander. Roman. Mit einem Nachwort von Peter Bichsel. München, Wien: Nagel & Kimche 2003.

Als Textgrundlage diente die erstaunlicherweise auch bei gestandenen Germanisten immer noch kursierende, im Carl Hanser Verlag erschienene dreibändige Ausgabe von Clemens Heselhaus. Der Text von Heselhaus druckt seinerseits kommentarlos den Drucke und Handschriften kontaminierenden Mischtext von Carl Helbling nach. Näheres über die Textproblematik werden die 2004 erscheinenden Salander-Bände der HKKA mitteilen. Zum einstweiligen Vergleich eignet sich der Text der Keller-Ausgabe im Deutschen Klassiker Verlag (Bd. 6), der auf dem Erstdruck von Kellers Roman basiert.

Anstelle eines Textkommentars findet sich am Ende des Bandes eine am Herbstbott der Gottfried Keller-Gesellschaft gehaltene, sehr lesenswerte Rede von Peter Bichsel: „Drei Ellen guter Bannerseide“. Mit listiger Autorenfreiheit streift auch Bichsel in einer Fussnote (S. 374) das Textproblem, allerdings sein eigenes:

Ich weiß, dass die richtige Form heißt „Drei Ellen gute Bannerseide“, aber der Druckfehler (?) „guter“ hat sich durch meine damaligen Lesebücher so in mein kindliches Gedächtnis eingeschlichen, dass ich - ich bin kein Germanist - unfähig bin, mich anders daran zu erinnern.


 

   

Haarig

 

Der Reclam Verlag bietet neuerdings Klassiker-Texte auch in der allerneuesten Rechtschreibung an (so auch Kellers Kleider machen Leute). Achten Sie unbedingt auf die entsprechende Auszeichnung auf der Umschlag-Rückseite!

Unser Tip: Text sofort kaufen, die nächste Orthografie-Reform kommt bestimmt. (Nachtrag: ist schon da!)

Unser Gegenvorschlag:

dtv Bibliothek der Erstausgaben (originalgetreue Nachdrucke)
Nr. 2617 Kleider machen Leute (München 1997)

 

Es geht allerdings, erfreulicherweise, auch bei Reclam anders, wie Reclams Ausgaben des Grünen Heinrich und der Gedichte zeigen.


 

   

Buchtip 1

 

(auch wenn Keller mehr raunender Untergrund als Titelthema ist):

Peter von Matt: Die tintenblauen Eidgenossen. Über die literarische und politische Schweiz. München, Wien: Hanser 2001.


 

   

Buchtip 2

 

Der Gottfried-Keller-Rabe. Von Joachim Kersten herausgegeben, Zürich: Haffmans 2000 (= Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur, Nr. 61)

(Leider nicht mehr im Buchhandel erhältlich)

Ein beachtenswertes, originell gestaltetes Bändchen über Keller und den Charakter / die Frauen / die Jesuiten / die Kleinbürger / die Körpergröße / das Land Mecklenburg / die Liebe / die Lyrik / die Musik / die Schweiz / das Theater / den Wein

darin u. a.:

  • Jochen Meyer: Askese, gesunde Existenz und poetische Rivalschaft. Ein unbekannter Brief von Gottfried Keller an Paul Heyse (S. 194-220)
  • Dominik Müller: Tagebuch und Traumbuch. Wie sich Gottfried Keller an den Grünen Heinrich heranschrieb (S. 234-248)
  • Walter Morgenthaler: Gottfried Kellers Jesuitenschelte. Ein unveröffentlichter Text aus der Zeit der Freischarenzüge (S. 102-107)
  • Peter Villwock: Betty und Gottfried. Eine Geschichte in Bildern. (S. 150-162)
  • Bruno Weber: Wie klein war Gottfried Keller (S. 15-34) (vgl. auch die Kontroversen zu diesem Thema unter Kuriositäten)

 

 
2. Triumph der Antiphilologie

„einfach klassisch“ - Keller für Minderbemittelte

Nun kommt auch noch der Cornelsen Verlag mit Kleider machen Leute in der Reihe „einfach klassisch“!
Und schlägt damit alle Rekorde der Dummheit:
Kellers Novelle, keimfrei aufbereitet für all jene, die nur noch lesen wollen, was weder Ecken noch Kanten aufweist und wo man nichts zu denken braucht.

Der 'Bearbeiter': Diethard Lübke.

Nicht etwa nur die Orthographie, sondern Kellers kerniger „Wortschatz und Satzbau“ sollen „behutsam dem modernen Deutsch angepasst“ werden: dummdreiste Übersetzungen in das, was Keller selbst die „Titti-Tatti-Sprache“ genannt hat. Damit soll dann der Zugang zu den Klassikern erleichtert werden.
Eine plumpere Methode, ihnen den Garaus zu machen, ist aber schon lange nicht mehr praktiziert worden.



Ein beliebiges Textbeispiel

 

 
Originalausgabe

 
Ausgabe Cornelsen

 

Das Niveau der Begleit- Fragen:

  • Welchen Beruf übt Wenzel Strapinski aus?
  • Welchen beruflichen Erfolg hat er?
  • Woher hat er das viele Geld für sein Geschäft?
   

Übrigens kommt Keller im Vergleich etwa mit Friedrich Schiller noch relativ gut weg. In der Edition des Wilhelm Tell verliert der Herausgeber jede Scheu: Blankverse werden, „damit der Text gut lesbar ist“, malträtiert, als ob die Metrik nie etwas anderes als ein Hindernis gewesen wäre. Drei beliebige Verse als Beispiel (S. 34):

Das höchste Gut dürfen wir verteidigen
gegen Gewalt. - Wir verteidigen unser Land,
wir verteidigen unsre Frauen, unsre Kinder!

Wer hier noch etwas von Schillers Verskunst heraushören kann, bekommt das Büchlein geschenkt!

Eine ausführliche Kritik
ist zu finden in:

TEXTkritische Beiträge 9 (2004)



 

 
3. Übersetzungen

 

 

 

Enrico el verde

Der grüne Heinrich auf Spanisch

 

„Die Madrider Germanistikprofessorin Isabel Hernández hat für den Verlag Espasa Calpe (Colección Austral) erstmals Gottfried Kellers 'Der grüne Heinrich'- die zweite Fassung natürlich - auf Spanisch übersetzt. [...] Der Titel konnte wörtlich in gleicher Bedeutung übernommen werden - „Enrique el verde“ , aber Kellers Lust an Adjektiven und Diminutiven zwang oft zu sorgfältig gemeisterten Umschreibungen und einigen Auslassungen. Für den gleichen Verlag will Hernández jetzt das gesamte erzählerische Werk Kellers übersetzen, nachdem sie bereits zahlreiche seiner Novellen dem spanischen Publikum bekannt gemacht hat.“

(Neue Zürcher Zeitung, 4.6.2002)


Enrico il Verde

Der grüne Heinrich auf Italienisch (2. Fassung)

Gottfried Keller

Enrico il Verde

Con un saggio die Herbert Marcuse

Torino: Einaudi 1944

Traduzione di Leonelle Vincenti
Nuova edizione a cura die Serena Burgher Scarpa e Adriana Sulli Angelini

[…] Essendo noi tutti dei novellini, il direttore della scuola, un uomo attempato, dalla testa grande e grossa, che si era incaricato di impartirci personalmente la prima ora die lezione, ci invitò uno dopo l'altro a dire il nome die quelle singolari figure. Tempo addietro avevo sentito una volta la parola Pumpernickel, che mi era piaciuta straordinariamente, ma che non sapevo associare a nessuna forma corporea e su cui nessuno era in grado di darmi dei chiarimenti, poiché la cosa rispondente a tal nome stava di casa centinaia di miglia lontano. Ora, a un tratto, dovetti collegare con un nome la P maiuscola, che nel complesso trovavo estremamente curiosa e comica, e fu cosí che vidi chiaro in me stesso e dissi con decisione: – Questo è il Punpernickel! – Non nutrivo dubbi di sorta né sul mondo, né su di me, né sul Pumpernickel, ed ero intimamente contento. […]


Green Henry

Der grüne Heinrich auf Englisch (2. Fassung)

Gottfried Keller

Green Henry

Translated from the German by A. M. Holt

Woodstock & New York:
Overlook Press 2003

[…] Since we were all newcomers, the head teacher, an elderly man with a big, clumsy head, wished to give us our first instruction for one hour, and he asked us each in turn to give names to the strange signs on the blackboard. I had once, long ago, heard the word pumpernickel, and it had taken my fancy uncommonly, but I could not attach any concrete form to it and nobody could help me to do so because the thing that bore this name had its home some hundreds of miles away. I was now suddenly asked to give a name to the capital P, which letter in itself struck me as being extraordinarily queer and funny, and now I saw daylight and I said firmly: 'This is Pumpernickel!' I entertained no doubts at all, neither of the world , nor of myself, nor of Pumpernickel, and my heart was glad […].

 

 
Bibliographie

 
1. Editorisches

 

 
2. Besprechungen zur HKKA

 
3. Werkausgaben

 

Ausgaben zu Kellers Zeiten

 

Ausgewählte neuere Einzelausgaben

 
4. Monographien , Sammelbände u. ä.

Keller hat sich aber bei der Ueberarbeitung nicht einfach von der Erstfassung abgesetzt, sondern dieser Distanzierung in der Zweitfassung auch Ausdruck verliehen, so dass der erste im zweiten "Grünen Heinrich" gleichsam mitenthalten, aufgehoben ist. Keller trägt dadurch der historischen Tiefendimension, die seinem Romanunternehmen mittlerweilen zugewachsen ist, Rechnung. Dafür macht er sich in genialer Weise die autobiographische Form, die er auf den ganzen Roman ausdehnt, zunutze. Die Distanz, die Keller von der Urfassung des Romans trennt, lässt er in der Distanz zwischen dem jungen erlebenden und dem alten erzählenden Ich spiegeln. (S. 314)

Der 'Grüne Heinrich' ist kein Künstlerroman, sondern ein Roman über die Bedingungen von Kunst, nicht zuletzt der eigenen Erzählkunst. Er ist kein Bildungsroman, sondern ein Roman über die Möglichkeit von Individualität unter den Bedingungen von subjektkonstituierenden Wissensdiskursen. Der 'Grüne Heinrich' ist kein realistischer Roman, sondern einer über die konstituierenden Elemente von Realität. Diese aber sind diskursiver, nicht epistemologischer Provenzienz. Die Disurse kommen zu Wort, die Realität der Realisten verstummt. (S. 246)

 
5. Bibliographien

 

 
6. Briefpublikationen

 
7. Kataloge, Bildbände

 
8. Biographisches

 
9. Aus dem Umfeld

 
10. Aufsätze

Vgl. auch die online-Aufsätze

 

 



29.10.2009 / W. Morgenthaler