Kuriositäten
   

Kuriositäten I

Kuriositäten II

   
 
Kuriositäten I

 
Das Gottfried Keller-Haus

Aus der Werbeschrift des Lesezirkels Hottingen für ein Gottfried Keller-Haus, Zürich 1912

Plan eines Gottfried Keller-Hauses im Tonhallen-Areal (1912)

Das Keller-Haus sollte ein Vortragshaus (Mitte), ein Lesehaus (rechts) und ein Gesellschaftshaus (links) umfassen:

Das Gesellschaftshaus soll ein städtisches Klub- und Vereinshaus sein.

Zur Geschichte des 1882 gegründeten Lesezirkels Hottingen vgl. Conrad Ulrich: Der Lesezirkel Hottingen. Zürich: Berichthaus 1981.

 


 
Gottfried Keller auf dem Rhein

 

 
Der Gottfried-Keller-Dichterweg


Quelle: Zürcher Unterländer, 7.5.2001

 

 
John Kabys

John Kabys, der Schmied seines Glückes, hat es auf die Tochter von Frau Oliva, nämlich Fräulein Oliva abgesehen.

Kabys-Oliva! klang es sogleich in Johns Ohren und wiederhallte es in seinem Gemüte. Mit einer solchen Firma ein bescheidenes Geschäft begründet, mußte in wenig Jahren ein großes Haus daraus werden.

Bei Vorbereitung der Hochzeit kommt alles anders

und es ergab sich, daß die Mutter allerdings eine verwitwete Dame Oliva, die Tochter hingegen ein außereheliches Kind von ihr war aus ihrer Jugendzeit und ihren eigenen Familiennamen trug, wenn es sich um amtliche und civilrechtliche Dinge handelte. Dieser Name war: Häuptle! Die Braut hieß: Jungfer Häuptle, und die künftige Firma also: „John Kabys-Häuptle,“ zu deutsch: „Hans Kohlköpfle.“

 (zit. nach HKKA 5, S. 65)

Kabis-Häuptle läßt grüßen ...

im Zürcher Volksblatt
vom 23. Oktober 1877

(mitgeteilt von Peter Villwock, Berlin)

 

 
Lebendig begraben


 

Schlaginhaufen 1929, S. 21

... das Blut der Ahnen

Otto Schlaginhaufen: Gottfried Kellers Ahnen- und Sippschaftstafel. Separatdruck aus: Archiv der Julius Klaus-Stiftung für Vererbungsforschung, Sozialanthropologie und Rassenhygiene. IV (1929) Heft 1, S. 21 f.

 
 
Mit Spiegel in den Schützengraben


Die Miniaturausgabe von Kellers Seldwyla-Erzählung ist beim Hyperion-Verlag in Berlin erschienen, der Umschlag wurde von Emil Preetorius gestaltet.

Datum noch nicht erschlossen.

(mitgeteilt von Peter Staengle, Heidelberg)

 
Kuriositäten II

 
Kellers Hund

Drei Briefe über Gottfried Keller, mitgeteilt von Albert Züst im Bund (Bern) vom 10.2.1939


Die im folgenden wiedergegebenen Briefe wurden zwischen Eduard Vieweg, dem Verleger des Grünen Heinrich, und dem Anatomen und Physiologen Jacob Henle, gewechselt. Keller hatte Henles Vorlesungen in Heidelberg besucht. Der tiefe Eindruck, den diese auf ihn machten, hat im vierten Band des Grünen Heinrich seinen Niederschlag gefunden.

 
Braunschweig, 14.9.1854 – Vieweg an Henle

gez. Ed. Vieweg.

 

Göttingen, 1.10.1854 – Henle an Vieweg

gez. Jacob Henle.

 

Braunschweig, 3.10.1854 – Vieweg an Henle

gez. Ed. Vieweg.


 
Wie groß war Gottfried Keller wirklich?

Seine Beleibtheit war keine übermäßige, aber sie fiel ihm wegen seiner kleinen Statur beschwerlich: denn er maß vom Scheitel bis zur Sohle nicht über 1,40 Meter.

Adolf Frey: Erinnerungen an Gottfried Keller. Zürich und Stuttgart: Rotapfel Verlag 1979, S. 14.
 


 
  Keller, laut Reisepaß von 1848 „5 Schuh 4 Zoll“, also etwa 1,50 Meter groß, mit monumentalem Kopf, stämmigem Leib und sehr kurzen Beinen, war unglücklich in Kapps Tochter Johanna verliebt, die ihrerseits den verheirateten Philosophen Ludwig Feuerbach liebte.

Michael Buselmeier: Literarische Führungen durch Heidelberg. Eine Stadtgeschichte im Gehen. Heidelberg: Wunderhorn 1996. S. 91.
 


 
 
 
Kellers Paß für seine Reise nach Heidelberg nennt offiziell „5 Schuh, 4 Zoll“, was nach Auskunft des Baugeschichtlichen Archivs und Büros der Archäologie der Stadt Zürich heutigen 160 cm entspräche.

[...]

Nach Mitteilung des Schweizerischen
Bundesamtes für Statistik vom September 1989 betrug die mittlere Körpergröße im Jahre 1884 163,5 cm., heute steht sie bei 176,8 cm; das sind volle 13,3 cm mehr. Wenn man also beurteilen will, wie Kellers Körperlichkeit von seinen Zeitgenossen und ihm selbst erfahren wurde, muß man diese 13,3 cm zu den überlieferten Angaben hinzurechnen - das ergibt keinen Mißgeschaffenen, sondern einen kleinen Menschen, wie er einem gelegentlich begegnen mag.

(Peter von Matt: Gottfried Keller und der brachiale Zweikampf. In: Gottfried Keller. Elf Essays zu seinem Werk. Hrsg. v. Hans Wysling. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 1990. S. 109-131, Zit. S. 131 u. 109)




 

 

Kellers Passformular

Kellers Passformular vom 10. Oktober 1848 für den einjährigen Aufenthalt in der Universitätsstadt Heidelberg ist in mancher Hinsicht denkwürdig. Aus dem Signalement geht hervor, dass er braune Augen hat und dass die Körpergrösse 5 Schuh 4 Zoll beträgt, was 162 cm entspricht.

Gottfried Keller 1819-1890. Ausstellung in der Schweizerischen Kreditanstalt Zürich-Werdmühleplatz. Katalog: Zürich 1995 (Text von Bruno Weber).

Vgl dazu neuestens auch Bruno Webers vertiefenden Beitrag im Gottfried-Keller-Raben.

Kellers Nachlass bewahrt nicht nur seinen Spazierstock in der Länge von 85, 5 cm [...], sondern auch einen pelzgefütterten Wintermantel, offenbar seinen letzten, den er sich vielleicht erst nach dem Tod von Regula, der haushälterischen Schwester, geleistet hat [...]. Seine Länge beträgt vom Kragen zum unteren Saum 115 cm. Davon sind am bekleideten Mann für die leicht gebuckelte Rundung der Schulterpartie maximal 10 cm abzuziehen; misst man für die Kopfgrösse vom Kinn oder Kragen zum Scheitel maximal 25 cm, wie sie Kellers Totenmaske ausweist (ebenda: GKN 3 3 5 c), und für den Abstand vom Boden einschliesslich Schuhwerk (2 cm) beim Tragen maximal 34 cm hinzu, resultieren zwanglos 164, unbeschuht 162 cm Körpermass. Auch angenommen, der vergreiste Keller sei durch die Alterung der Wirbelsäule sehr gekrümmt und geschrumpft dahergeschlurft, gestattet sein guter Wintermantel keine Redimensionierung von 20 cm. So ist er nach über hundert Jahren als Pièce de résistance noch zur Klippe geworden, woran sich die schäumende Brandung hermeneutischer Aberrationen bricht. (S. 24)


 

Vgl. Würgau

Rainer Würgau: Zur Wuchsauffälligkeit Gottfried Kellers

Luise Rieter, die junge Dame, von der er seinen ersten Korb erhielt, beschreibt ihn ihrer Mutter mit folgenden Worten: „Er hat sehr kleine, kurze Beine, schade! Denn sein Kopf wäre nicht übel, besonders zeichnet sich die außerordentlich hohe Stirn aus“. (Gesammelte Briefe, hrsg. von Carl Hebling, Bern 1951, Band II, S. 9). Keller selbst schreibt sich im Gedicht „Feueridylle“ einen watschelnden Gang zu. In einer zeichnerischen Selbstkarikatur betont er ein Hohlkreuz (abgebildet in Gottfried Keller, hrsg. von Hans Wysling, Zürich 1990, S. 63). Die bekannte, nach einer Fotografie hergestellte Radierung Stauffer-Berns (ebenfalls bei Wysling abbgebildet, S. 439) lässt klar erkennen, dass die Längenverhältnisse von Ober- zu Unterschenkeln und Ober- zu Unterarmen zugunsten der rumpfnahen Segmente verschoben sind. Ähnliches gilt für die Proportionen der Hand: Keller hatte wegen der relativen Kürze der Mittelhandknochen gedrungen wirkende Hände (ein Gipsabguß seiner rechten Hand wird in der graphischen Sammlung der Zentralbiliothek Zürich aufbewahrt). Diese Merkmalhäufung weist auf eine Knochen-Knorpel-Aufbaustörung hin, Chondrodystrophie, bei Keller in der milde ausgeprägten Form der Chondrohypoplasie (Verdachtsdiagnose von Prof. Dr. med. Dieter Schönberg, Kinderklinik der Universität Heidelberg), ein Leiden, das ohne erkennbare soziale oder psychische Ursache sporadisch und „schicksalhaft“ auftritt. Keller auf den Leib geschrieben scheint die folgende Charakteristik der psychosozialen Folgen dieser Form der Wuchsauffälligkeit aus einem Lehrbuch der klinischen Osteologie: „Die geistige und soziale Entwicklung der Chondrodystrophen ist im Verhältnis zur auffälligen Körperform und den daraus resultierenden Milieuproblemen auffallend gut. Kinder und Jugendliche sind anpassungsfähig, lernwillig, bestrebt, das Handikap zu kompensieren; die Einstellung zur Überwindung der krankheitsbedingten Probleme ist positiv“ (F. Schmid, Konstitutionsanomalien des Skeletts, in: Handbuch der inneren Medizin, hrsg. von H. Schwiegk, Band VI, Berlin 1980, S. 998).

 



20.9.2004 / W. Morgenthaler