Zeitgenössische Rezensionen
   

Die Leute von Seldwyla

Martin Salander

   
 
Die Leute von Seldwyla

 
Karl Gutzkow (Juni 1856)

   

In: Unterhaltungen am häuslichen Herd. Neue Folge, Bd. 1

Anregungen. Die Leute von Seldwyla.
 
Unter diesem Titel hat {Gottfried Keller) (Braunschweig, Vieweg, 1856) einige Erzählungen herausgegeben, die schon durch den Namen des Verfassers mehr beanspruchen dürfen als nur die einfache Würdigung des fesselnden oder langweilenden Inhalts derselben.


 

 
Berthold Auerbach (Juli 1875)

 

In: Deutsche Rundschau, Bd. 4, 1.7.1875

Der Humor Gottfried Keller's ist nicht jener großprotzige, der sich damit was weiß, die Puppen tanzen zu lassen und immer wie an den Rand schreibt: bitte recht sehr, lieber Leser, ich weiß recht wol, was für ein närrischer Kauz die Person da ist; ich aber bin ein sehr vornehmer, sehr gelehrter, weltmännisch gebildeter Mann. – Wie ein guter Maler, der seine Freude an der Farbe hat und der Kraft, mit der sich Alles abhebt, so behandelt der Dichter jede Figur mit gleicher Liebe und gleichem Ernst. Und dieser Ernst widerspricht der Lustigkeit des Dargestellten keineswegs. Denn es heißt hier, wie in allem Echten: der Sache die Ehre geben.          

 

 
Martin Salander

 
Fritz Mauthner (Januar 1887)

 

In: Die Nation, Nr. 17, 22.1.1887

Neue Romane.

Diese Gegner Keller's, welche unser Entzücken oft wirklich nicht begreifen können, sind mit dem neuesten Werke des gefährlichen Menschen unbekannterweise recht zufrieden gewesen. Eine unschickliche Veröffentlichung in ungleichen Stücken, nach ungleichen Zwischenräumen hatte den Ruf des Romans „Martin Salander“ arg gefährdet. Die zahlreichen Damen und Herren, welche für Keller gegen ihre schlechtere Ueberzeugung nur schwärmten, weil sie die neue Mode früher als andere tragen wollten, schüttelten ihre Köpfe und fanden in dem Buche keine Spannung. Es kann den Herrschaften aber nicht erspart werden, sie werden das neue Werk doch noch aufmerksam lesen und darüber in Gesellschaft sprechen | müssen; denn „Martin Salander“ ist doch wieder ein echter Keller und wird sich schließlich als das Ereigniß der Saison herausstellen, wenn das Dutzend anderer Buchereignisse der Saison ihre kurze Laufbahn vollendet haben werden.

 



20.9.2004 / W. Morgenthaler